Raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831: Anleitung
Raumweise oder gebäudeweise: was jedes Verfahren liefert, welche Eingaben je Raum nötig sind, wie die Rechnung in Schritten abläuft und was als Nachweis ins Projekt gehört. Mit Fundstellen in der Norm und im Gesetz.
Raumweise oder gebäudeweise: was jedes Verfahren liefert
Die gebäudeweise Heizlast ist ein einzelner Wert für das ganze Gebäude. Sie reicht, um die Leistung des Wärmeerzeugers einzuordnen, sagt aber nichts darüber, ob ein einzelner Heizkörper oder eine Fußbodenheizkreis-Schleife zum Raum passt. Die raumweise Heizlast bestimmt dagegen für jeden beheizten Raum die Wärmeleistung, die bei der Norm-Außentemperatur nötig ist, um die vorgesehene Innentemperatur zu halten. Sie ist die Grundlage für Heizflächen, Volumenströme und den hydraulischen Abgleich.
| Merkmal | Gebäudeweise | Raumweise |
|---|---|---|
| Ergebnis | Ein Wert für das Gebäude | Ein Wert je beheiztem Raum |
| Typischer Zweck | Einordnung der Wärmeerzeuger-Leistung | Heizflächen prüfen, Abgleich, Nachweis je Raum |
| Eingaben | Gebäudehülle im Ganzen | Bauteile, Temperaturen und Lüftung je Raum |
| Beim hydraulischen Abgleich nach § 60c | Nennt Abs. 4 in der Bestätigung als Gebäudeheizlast | Nennt Abs. 2 als Mindestleistung, Abs. 4 in der Bestätigung |
Wann welches Verfahren genügt, hängt vom Zweck ab: Für eine erste Größenordnung kann der Gebäudewert reichen. Für den hydraulischen Abgleich nach § 60c Abs. 2 verlangt das Gesetz die raumweise Berechnung nach DIN EN 12831 Teil 1. Wie der Gebäudewert zustande kommt, zeigt die Seite Heizlastberechnung; zur Einordnung der Norm dient DIN EN 12831.
Schritt für Schritt: so entsteht die Raumheizlast
- Räume festlegen. Jeder beheizte Raum bekommt eine eigene Rechnung, mit Raumtemperatur und Lage im Gebäude.
- Bauteile je Raum erfassen. Für jede Hüllfläche (Außenwand, Fenster, Dach, Boden, Wand zu Nachbarbereichen) die Fläche A_k und den U-Wert U_k, dazu den Wärmebrückenzuschlag ΔU_TB.
- Randbedingungen setzen. Norm-Außentemperatur des Standorts und Innentemperatur des Raumes.
- Lüftung ansetzen. Der Mindest-Außenluftvolumenstrom q_min des Raumes bestimmt den Lüftungswärmeverlust.
- Verluste summieren. Transmissions- und Lüftungswärmeverlust ergeben die Raumheizlast; die Aufheizleistung kommt hinzu, wenn sie angesetzt wird.
- Ergebnis je Raum festhalten. Der Rechenweg gehört als Nachweis ins Projekt (siehe unten).
Die Formel der Raumheizlast
Φ_HL,i = Φ_T,i + Φ_V,i + Φ_hu,i
- Φ_T,i: Transmissionswärmeverlust des Raumes über Außenwand, Fenster, Dach, Boden und Nachbarbereiche.
- Φ_V,i: Lüftungswärmeverlust des Raumes.
- Φ_hu,i: zusätzliche Aufheizleistung für Räume mit unterbrochenem Heizbetrieb; sie ist im vereinfachten Verfahren optional.
Der Lüftungswärmeverlust wird in der Norm so geschrieben:
Φ_V,i = ρ · c_p · q_min · (θ_int,i − θ_e)
Dabei ist ρ die Luftdichte, c_p die spezifische Wärmekapazität der Luft, q_min der Mindest-Außenluftvolumenstrom des Raumes, θ_int,i die Raum-Innentemperatur und θ_e die Norm-Außentemperatur.
Eingaben je Raum und wo Sie die Werte nachschlagen
Die Tabelle nennt die Eingaben, die je Raum gebraucht werden, und die Fundstelle in der geprüften Fassung (EN 12831-1:2017, Seitenzahlen der PDF-Fassung). Zahlenwerte aus Normtabellen sind hier bewusst nicht abgedruckt; sie gehören in die Normfassung selbst.
| Eingabe | Inhalt | Fundstelle (EN 12831-1:2017) | Nachschlagen |
|---|---|---|---|
| Bauteile | Bauteilfläche A_k, U-Wert U_k und Wärmebrückenzuschlag ΔU_TB je Bauteil | Tabelle 10, S. 49 | U-Wert-Tabellen |
| Wärmebrücken | Pauschaler Zuschlag ΔU_TB von 0,1 W/(m²·K) als Standardwert | Anhang B.3.2, S. 71 | In der Normfassung |
| Raumtemperatur | Standard-Innentemperatur Wohnräume: 20 °C | Tabelle B.14, S. 73–74 | Raumtemperaturen |
| Norm-Außentemperatur | θ_e des Standorts | Formel 14, S. 34 (Verwendung im Lüftungsverlust) | Normaußentemperatur |
| Lüftung | Φ_V,i aus Luftdichte, Wärmekapazität, Mindest-Außenluftvolumenstrom und Temperaturdifferenz | Formel 14, S. 34 | In der Normfassung |
| Aufheizleistung | Φ_hu,i, im vereinfachten Verfahren optional | Abschnitt 7.3.1, S. 49–50 | In der Normfassung |
Quelle: DIN EN 12831-1:2017-09, Fundstellen wie angegeben. Die Norm ist kostenpflichtig und nicht Bestandteil dieser Seite. Wärmegewinne sind im allgemeinen Verfahren optional, nach nationaler Regelung (S. 27–28).
Was die Förderung dazu verlangt
Zum hydraulischen Abgleich gehört nach § 60c Abs. 2 mindestens eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 Teil 1 in der Fassung vom September 2017 in Verbindung mit der DIN/TS 12831 Teil 1 vom April 2020, dazu die Prüfung der Heizflächen und die Anpassung der Vorlauftemperaturregelung. Absatz 1 nennt die Schwelle von sechs Wohnungen oder Nutzungseinheiten.
Welche Unterlagen KfW und BAFA im Einzelfall sehen wollen, legen Förderstelle, Merkblatt und Richtlinie fest, und die Entscheidung über die Förderung trifft die Förderstelle. Was die beiden Stellen auf ihren Produktseiten nennen, mit Quellen und Abrufdatum, steht auf der Seite Heizlast-Nachweis für die Förderung; hier wird es nicht wiederholt. HeizNorm sagt keine Förderung zu.
Das Ergebnis als Nachweis je Projekt
Ein Wert ohne Rechenweg ist als Nachweis schwach. Gehören sollten ins Projekt: die Raumliste mit Temperaturen, die Bauteile je Raum mit Fläche und U-Wert, der Standort mit Norm-Außentemperatur, die Heizlast je Raum und die Summe. § 60c Abs. 4 verlangt, die Bestätigung des hydraulischen Abgleichs schriftlich festzuhalten; sie enthält unter anderem die Gebäudeheizlast und die raumweise Heizlastberechnung. Die Schritte bis zur Bestätigung beschreibt die Anleitung Hydraulischen Abgleich nach Verfahren B berechnen.
So entsteht die raumweise Rechnung in HeizNorm
- Räume anlegen: Räume mit Maßen und Bauteilen erfassen. U-Werte nach Baujahr werden als Startwert angeboten und lassen sich überschreiben.
- Hüllflächen erfassen: die Bauteile je Raum mit Fläche und U-Wert.
- Ergebnis je Raum: HeizNorm rechnet die Raumheizlast im vereinfachten Verfahren und zeigt den Rechenweg; die Summe für das Gebäude ergibt sich aus den Räumen.
- Nachweis-PDF: „Raumseitige Ergebnisse“ und „Bauteilnachweis je Raum“ für die Projektakte.
Abgerechnet wird pro Projekt, die aktuellen Konditionen stehen auf der Preisseite. Ob das vereinfachte Verfahren für Ihr Gebäude ausreicht und ob die Eingaben stimmen, entscheidet die fachlich verantwortliche Person; die Software ersetzt diese Prüfung nicht. Für Büros, die das regelmäßig tun, beschreibt die Seite Heizlast für Energieberater und Planungsbüros den Ablauf.