Hydraulischer Abgleich berechnen nach Verfahren B: Anleitung bis zur Bestätigung
Sieben Schritte von der raumweisen Heizlast bis zur schriftlichen Bestätigung: Formel, Rechenbeispiel, Tabellen für Heizkörper und Heizkreise und die Angaben, die der Nachweis enthält.
Was zum hydraulischen Abgleich gehört
Der Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper und jeder Heizkreis den Volumenstrom bekommt, den der Raum im Auslegungsfall braucht. Nach § 60c Abs. 2 umfasst er unter Berücksichtigung aller wesentlichen Komponenten des Heizungssystems mindestens drei Leistungen:
- eine raumweise Heizlastberechnung,
- eine Prüfung und nötigenfalls eine Optimierung der Heizflächen im Hinblick auf eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur,
- die Anpassung der Vorlauftemperaturregelung.
Die Heizlast wird nach dem Verfahren der DIN EN 12831 Teil 1 (Ausgabe September 2017) in Verbindung mit DIN/TS 12831 Teil 1 (Ausgabe April 2020) berechnet; durchgeführt wird der Abgleich nach Verfahren B der ZVSHK-Fachregel „Optimierung von Heizungsanlagen im Bestand“ oder einem gleichwertigen Verfahren (§ 60c Abs. 2 und 3, Wortlaut auf gesetze-im-internet.de, Abruf 29.10.2026).
Schritt für Schritt: Abgleich nach Verfahren B
- Raumweise Heizlast berechnen. Sie ist die Eingangsgröße jedes weiteren Schritts; eine geschätzte Heizlast macht jeden berechneten Wert zur Schätzung. Der Weg dahin steht unter raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.
- Heizflächen erfassen. Typ, Größe und Anschluss der Heizkörper bzw. Länge und Verlegung der Heizkreise; aus Herstellertabellen folgt die Leistung bei der gewählten Auslegungstemperatur. Wie sich die Leistung mit der Temperatur ändert, zeigt Heizleistung berechnen.
- Auslegungstemperaturen und Spreizung festlegen. Vorlauf und Rücklauf für den Auslegungsfall; die Differenz ist die Spreizung. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto besser ist das Heizungssystem auf eine Wärmepumpe vorbereitet.
- Volumenstrom je Heizkörper oder Heizkreis berechnen. Formel und Beispiel unten.
- kv-Wert und Voreinstellung bestimmen. Aus Volumenstrom und Differenzdruck folgt der kv-Wert; die Stufe am Ventil lesen Sie in der Kennlinie des Herstellers ab.
- Pumpe und Vorlauftemperaturregelung anpassen. Die Pumpe wird auf den Gesamtvolumenstrom und den nötigen Förderdruck eingestellt, die Heizkurve auf die berechnete Vorlauftemperatur.
- Bestätigung ausfüllen und weitergeben. Inhalt und Empfänger stehen im Abschnitt „Die Bestätigung“ weiter unten.
Beispiel für die Reihenfolge im Büro: Raumliste mit Heizlasten anlegen, Heizkörper je Raum zuordnen, Auslegungstemperaturen setzen, Volumenströme und kv-Werte rechnen lassen, danach die Voreinstellungen vor Ort einstellen und die Werte in die Bestätigung übernehmen.
Formel für den Volumenstrom
Volumenstrom (kg/h) = Heizlast (W) ÷ (1,163 × Spreizung (K))
Der Faktor 1,163 Wh/(kg·K) ist die spezifische Wärmekapazität von Wasser, die Spreizung die Differenz zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur. Für Heizwasser lässt sich kg/h näherungsweise mit l/h gleichsetzen. Die Heizlast je Raum kommt aus der raumweisen Heizlastberechnung.
Rechenbeispiel (Annahmen)
- Annahme: Der Raum hat eine Heizlast von 1.200 W (Beispielwert).
- Annahme: Die Spreizung beträgt 10 K, zum Beispiel Vorlauf 45 °C und Rücklauf 35 °C (Beispielwert).
- Rechnung: 1.200 ÷ (1,163 × 10) ≈ 103 kg/h.
- kv-Wert: Bei angenommenen 100 mbar Differenzdruck am Ventil folgt kv = 103 l/h ÷ 1.000 ÷ √0,1 ≈ 0,33 m³/h.
Tabelle: Volumenstrom nach Heizlast und Spreizung
Alle Werte sind nach der Formel oben gerechnet (kg/h, gerundet). Heizlast und Spreizung sind Beispielwerte, keine Vorgaben für ein bestimmtes Gebäude.
| Heizlast (Annahme) | ΔT = 5 K | ΔT = 10 K | ΔT = 15 K | ΔT = 20 K |
|---|---|---|---|---|
| 500 W | 86 kg/h | 43 kg/h | 29 kg/h | 21 kg/h |
| 1.000 W | 172 kg/h | 86 kg/h | 57 kg/h | 43 kg/h |
| 1.500 W | 258 kg/h | 129 kg/h | 86 kg/h | 64 kg/h |
| 2.000 W | 344 kg/h | 172 kg/h | 115 kg/h | 86 kg/h |
| 3.000 W | 516 kg/h | 258 kg/h | 172 kg/h | 129 kg/h |
Quelle der Rechenvorschrift: Volumenstrom = Heizlast ÷ (c × ΔT) mit c = 1,163 Wh/(kg·K). Bei halber Spreizung verdoppelt sich der Volumenstrom.
Tabelle: kv-Wert aus dem Volumenstrom
Der kv-Wert folgt aus dem Volumenstrom und dem Differenzdruck am Ventil. Als Annahme gelten hier 100 mbar; im Einzelfall richtet sich der Wert nach dem Rohrnetz und der Pumpe.
| Volumenstrom (Annahme) | Differenzdruck (Annahme) | kv-Wert (berechnet) |
|---|---|---|
| 50 l/h | 100 mbar | 0,16 m³/h |
| 100 l/h | 100 mbar | 0,32 m³/h |
| 150 l/h | 100 mbar | 0,47 m³/h |
| 200 l/h | 100 mbar | 0,63 m³/h |
| 300 l/h | 100 mbar | 0,95 m³/h |
Quelle der Rechenvorschrift: kv = Volumenstrom (m³/h) ÷ √Differenzdruck (bar). Die Voreinstellstufe am Thermostatventil entnehmen Sie der Kennlinie des Ventilherstellers; eine allgemeingültige Stufenzuordnung gibt es nicht.
Fußbodenheizung: Volumenstrom je Heizkreis
Dieselbe Formel gilt je Heizkreis: Heizlast des versorgten Raums geteilt durch 1,163 mal die Spreizung. Bei gleicher Spreizung verteilt sich der Gesamtvolumenstrom im Verhältnis der Heizlasten auf die Kreise. Das Beispiel rechnet mit fünf Heizkreisen und 5 K Spreizung (zum Beispiel Vorlauf 35 °C, Rücklauf 30 °C); Heizlasten, Räume und Spreizung sind Annahmen. Gesamtvolumenstrom für die Pumpe der Wohnung: 4.400 W ÷ (1,163 × 5) ≈ 757 kg/h.
| Heizkreis (Annahme) | Heizlast (Annahme) | Spreizung (Annahme) | Volumenstrom (berechnet) | Anteil am Gesamtstrom (berechnet) |
|---|---|---|---|---|
| Wohnzimmer | 1.400 W | 5 K | 241 kg/h | 31,8 % |
| Küche | 800 W | 5 K | 138 kg/h | 18,2 % |
| Schlafzimmer | 700 W | 5 K | 120 kg/h | 15,9 % |
| Kinderzimmer | 600 W | 5 K | 103 kg/h | 13,6 % |
| Bad | 900 W | 5 K | 155 kg/h | 20,5 % |
| Summe | 4.400 W | 5 K | 757 kg/h | 100,0 % |
Anteil = Heizlast des Kreises ÷ Summe der Heizlasten. Fußbodenheizungen haben oft viele Heizkreise unterschiedlicher Länge; ohne Abgleich bekommt der kürzeste Kreis zu viel und der längste zu wenig Wasser.
Die Bestätigung: was sie enthält und wer sie weitergibt
§ 60c Abs. 4 verlangt, die Bestätigung des hydraulischen Abgleichs schriftlich festzuhalten und dem Verantwortlichen mitzuteilen. Sie enthält:
- die Einstellungswerte (zum Beispiel Ventil-Voreinstellung je Heizkörper),
- die Heizlast des Gebäudes und die raumweise Heizlastberechnung,
- die eingestellte Leistung der Wärmeerzeuger,
- die Auslegungstemperatur,
- die Einstellung der Regelung (Heizkurve),
- den Druck im Ausdehnungsgefäß.
Auf Verlangen ist die Bestätigung dem Mieter unverzüglich vorzulegen (§ 60c Abs. 4 Satz 2). Die Excel-Vorlage von HeizNorm führt diese Angaben in einem Bestätigungsblatt mit Feldern für Fachbetrieb, Datum und Unterschrift; sie ersetzt nicht das Bestätigungsformular der VdZ. Aufbau, Felder und Download: Formular hydraulischer Abgleich. Was Förderstellen als Nachweis sehen wollen, mit Quellen: Heizlast-Nachweis für die Förderung.
Was die Berechnung in HeizNorm abdeckt
HeizNorm rechnet für jeden Raum aus der Heizlast den Volumenstrom nach der Formel auf dieser Seite, daraus den kv-Wert bei einem angenommenen Differenzdruck und einen vereinfachten Richtwert für die Ventilvoreinstellung auf einer Skala von 1 bis 8. Dieser Richtwert ersetzt nicht die Kennlinie des Ventilherstellers. Die Bestätigung nach § 60c (Verfahren B) erzeugt HeizNorm aus den erfassten Werten. Abgleich-Nachweise je Projekt führen statt in Excel: Abrechnung pro Projekt, einmalig, kein Abo. Kosten eines Abgleichs durch einen Fachbetrieb: Kosten hydraulischer Abgleich.