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Bivalenzpunkt der Wärmepumpe berechnen

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, bei der die Wärmepumpe die Heizlast gerade noch allein deckt. Formel, Rechenbeispiel und Tabelle mit allen Annahmen.

Definition und Formel

Bivalenzpunkt = Außentemperatur θ, bei der Heizlast(θ) = Wärmepumpen-Leistung(θ)

Die Heizlast steigt mit sinkender Außentemperatur, die Heizleistung einer Luft-Wärmepumpe sinkt dabei. Beide Linien schneiden sich im Bivalenzpunkt. Als Näherung wird die Heizlast als Gerade angesetzt:

Heizlast(θ) = Q_NA × (θ_innen − θ) ÷ (θ_innen − θ_NA)

Q_NA ist die Heizlast bei Norm-Außentemperatur θ_NA, θ_innen die Raumtemperatur. Die Norm-Außentemperatur Ihres Standorts finden Sie unter Norm-Außentemperatur nach Postleitzahl; die Heizleistung der Wärmepumpe bei mehreren Außentemperaturen steht im Datenblatt für die geplante Vorlauftemperatur.

Rechenbeispiel (Annahmen)

  • Annahme: Raumtemperatur 20 °C, Norm-Außentemperatur −12,0 °C, Heizlast bei Norm-Außentemperatur 10.000 W (Beispielwerte).
  • Annahme: Die Beispiel-Wärmepumpe liefert laut „Datenblatt“ für die geplante Vorlauftemperatur die Leistungen aus der Tabelle unten (erfundene Beispielwerte, keine Gerätedaten).
  • Rechnung: Heizlast minus Wärmepumpen-Leistung ist bei −7,0 °C noch positiv (1.938 W Fehlbetrag) und bei 2,0 °C negativ (2.375 W Überschuss). Zwischen diesen Punkten wird die Leistungskurve als linear angenommen. Der Nulldurchgang liegt bei etwa −3,0 °C.
  • Lesart: In diesem Beispiel bräuchte die Anlage unterhalb von etwa −3,0 °C Unterstützung durch Heizstab oder zweiten Erzeuger.

Tabelle: Heizlast und Wärmepumpen-Leistung im Beispiel

Die Heizlast ist nach der Formel oben gerechnet, die Wärmepumpen-Leistung ist die Annahme aus dem Beispiel. Beides sind Beispielwerte, keine Zusage für ein Gebäude oder Gerät.

Heizlast (berechnet) und Wärmepumpen-Leistung (Annahme) bei fünf Außentemperaturen
Außentemperatur (Annahme)Heizlast (berechnet)WP-Leistung (Annahme)Ergebnis
−12,0 °C10.000 W6.000 WFehlbetrag 4.000 W
−7,0 °C8.438 W6.500 WFehlbetrag 1.938 W
2,0 °C5.625 W8.000 WWärmepumpe deckt, Überschuss 2.375 W
7,0 °C4.063 W9.200 WWärmepumpe deckt, Überschuss 5.138 W
10,0 °C3.125 W9.800 WWärmepumpe deckt, Überschuss 6.675 W

Quelle der Rechenvorschrift: Gerade der Heizlast über der Außentemperatur (Näherung ohne interne und solare Gewinne und ohne Heizgrenze); eine Auswertung als Gerade mit Steigung in W/K zeigt der Leitfaden Energetische Gebäudebilanzierung nach DIN V 18599 (Energiesignatur). Wärmepumpen-Leistungen: Annahmen für dieses Beispiel.

Was den Bivalenzpunkt verschiebt

  • Heizlast des Gebäudes: Eine höhere Heizlast bei gleicher Wärmepumpe verschiebt den Schnittpunkt zu höheren Außentemperaturen. Die Grundlage ist die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.
  • Leistung der Wärmepumpe: Je nach Wärmequelle und Heizwassertemperatur ergeben sich unterschiedliche Leistungen. Das Datenblatt muss zur geplanten Vorlauftemperatur passen.
  • Vorlauftemperatur: Sie bestimmt, welche Leistungskurve gilt.
  • Norm-Außentemperatur: Sie legt fest, bei welcher Temperatur die Heizlast Q_NA gilt.
  • Betriebsweise: Monovalent heißt, dass die Wärmepumpe die Heizlast bis zur Norm-Außentemperatur allein deckt; bei bivalenter oder monoenergetischer Auslegung liegt der Schnittpunkt darüber.

Wie die Auslegung insgesamt abläuft, beschreibt die Seite Wärmepumpe auslegen und dimensionieren.

Häufige Fragen zum Bivalenzpunkt

Was ist der Bivalenzpunkt einer Wärmepumpe?
Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, bei der die Heizleistung der Wärmepumpe genau der Heizlast des Gebäudes entspricht. Darunter reicht die Wärmepumpe allein nicht mehr aus, und ein zweiter Wärmeerzeuger oder ein Heizstab muss den Rest decken.
Wie berechne ich den Bivalenzpunkt?
Die Heizlast wird über der Außentemperatur als Gerade aufgetragen, die Heizleistung der Wärmepumpe aus dem Datenblatt als Kurve für die gewünschte Vorlauftemperatur. Der Schnittpunkt beider Linien ist der Bivalenzpunkt. Rechnerisch genügt die Gleichung Heizlast(θ) = Wärmepumpen-Leistung(θ), gelöst zwischen zwei Datenblattpunkten.
Welche Daten brauche ich dafür?
Die Heizlast bei Norm-Außentemperatur, die Norm-Außentemperatur des Standorts, die gewünschte Raumtemperatur und die Heizleistungen der Wärmepumpe bei mehreren Außentemperaturen und der geplanten Vorlauftemperatur aus dem Datenblatt.
Warum hängt der Bivalenzpunkt von der Vorlauftemperatur ab?
Die Heizleistung einer Wärmepumpe hängt von Wärmequelle und Heizwassertemperatur ab (Leitfaden Energetische Gebäudebilanzierung nach DIN V 18599, Tabelle zu Einzelgrößen bei Wärmepumpen). Ein anderes Datenblatt für eine andere Vorlauftemperatur ergibt eine andere Kurve und damit einen anderen Schnittpunkt.
Wie genau ist die Gerade für die Heizlast?
Sie ist eine Vereinfachung. Sie berücksichtigt weder interne oder solare Gewinne noch eine Heizgrenze. Für eine erste Einordnung genügt sie; für die Planung bleibt die raumweise Heizlastberechnung maßgeblich.
Was ist der Unterschied zwischen monovalent, monoenergetisch und bivalent?
Allgemein gilt: Monovalent deckt die Wärmepumpe die Heizlast allein. Monoenergetisch unterstützt ein elektrischer Heizstab. Bivalent übernimmt unterhalb des Bivalenzpunkts ein zweiter Wärmeerzeuger, zum Beispiel ein Kessel.

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Heizlast für die Wärmepumpe berechnen

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